Farbe ist hier kein Anstrich, sondern Raum

Monochrome Räume in der Villa Wigman erstrahlen für neue Nutzung

Rika Yotsumoto

Als der Verein Villa Wigman für Tanz e.V. vor zehn Jahren gegründet wurde, konnte sich wohl kaum jemand vorstellen, welch bedeutender Schatz hier in den folgenden Jahren gehoben wird. Nachdem der Verein definiert hatte, „die ehemalige Wirkungsstätte der Tänzerin und Choreographin Mary Wigman zu erhalten und den kulturhistorisch wertvollen Ort als Proben-, Produktions- und Vermittlungszentrum für den zeitgenössischen Tanz und weiterer Darstellender Künste zu betreiben.“ übereignete die Stadt Dresden ihm 2019 die Immobilie durch einen Erbbaurechtsvertrag. Und damit auch die Verantwortung für das überregional bekannte Gebäude der einstigen Wigmanschule.

Dank Fördermittel vom Bund, von der Stadt sowie verschiedener Stiftungen konnte der rührige Vorstand mit Katja Erfurth als Vorsitzende nicht nur die äußere Hülle denkmalgerecht wieder herstellen lassen, sondern auch die Proben- und Nebenräume im Erdgeschoss. Gemeinsam mit den beteiligten Architekten und Restaurateuren gab es innerhalb des Vereins auch einen intensiven Austausch darüber, ob die Räume in ihren ursprünglichen, sehr expressiven Farben wiederhergestellt werden sollten. Inzwischen leuchtet der kleine Ballettsaal im satten Rot und der lange Flur intensiv grün. Nun steht im 1. Stock die Restaurierung der ehemaligen Wohnräume Mary Wigmans als Residenz-und Arbeitsräume kurz vor der Vollendung.

Nachdem hier an den Wänden außerordentliche restauratorische Farbbefunde in Gold-, Silber- Rosa- und Gelbtönen aus ihrer Wirkungszeit freigelegt worden waren, entschied man sich, neben der Rekonstruktion der originalen Farbgebung auch die benötigten Lichtschalter und Steckdosen aus zeittypischem Bakelit anzuschaffen und dafür um Spenden zu bitten. Zwei originale Deckenlampen aus der Wigmanzeit fanden sich zudem auf dem Dachboden der Villa. Im Juni soll die erste Residenzwohnung bezugsfertig sein, was temporäres Wohnen und gleichzeitig Arbeiten in der villa\wigman möglich machen wird, im Juli zieht mit Rika Yotsumoto bereits die erste Residenz-Künstlerin ein. Nun bittet der Verein um finanzielle Unterstützung für die Ausstattung und Einrichtung des silbernen Appartements mit der zitronengelben Küche und dem schwarz gefliesten Bad. Vom Kartoffelschäler bis zur Matratze, vom Löffel bis zum Kühlschrank wird alles benötigt. Auf Betterplace kann gespendet werden oder direkt auf das Konto des Vereins.

Parallel geht auch die künstlerische Arbeit des Vereins kontinuierlich weiter. So setzt sich Rika Yotsumoto im Rahmen der Residenz künstlerisch und performativ mit dem Thema Mutterschaft auseinander. Ausgangspunkt ihrer Recherche ist die Frage, wie sich Identität, Selbstverständnis und Individualität verändern, wenn eine Frau Mutter wird. Themen wie Care-Arbeit, Mental Load, Erwerbstätigkeit und gesellschaftliche Rollenzuschreibungen verdichten sich in der Erfahrung von Mutterschaft und eröffnen einen kritischen Blick auf zeitgenössische Weiblichkeit. Die Recherche bewegt sich zwischen einem persönlichen, körperlich-emotionalen Zugang und einer gesellschaftlich-politischen Perspektive. Die Arbeit versteht sich als künstlerische Annäherung an die Komplexität und Vielschichtigkeit dieser Realität und widmet sich deren performativer Erforschung. Am 1. Juli findet ab 17 Uhr ein Showing statt, das einen Einblick in den aktuellen Arbeitsprozess gewährt und Ausschnitte eines Work-in-Progress zeigt. Im Anschluss sind alle Besucher:innen herzlich zu einer gemeinsamen Feedback- und Austauschrunde eingeladen. Der Eintritt ist frei.
IsMa

Villa Wigman Bautzner Straße 107, 01099 Dresden
www.villawigman.de

Rika Yotsumoto
Rika Yotsumoto ist zeitgenössische Tänzerin und Choreografin aus Dresden. Sie studierte zeitgenössischen Tanz in Portland und tanzte in dieser Zeit für Oriantheatre Dance Company in Frankreich und Deutschland. Seit 2018 lebt Rika in Dresden und ist besonders als Tänzerin in der Freien Szene tätig. Sie wirkt in genreübergreifenden Bühnenproduktionen, Videoprojekten, site-specific Performances und weiteren Tanzformaten mit. Ihre künstlerische Tätigkeit umfasst sowohl die Arbeit an festen Häusern wie der Semperoper und dem Staatsschauspiel Dresden als auch Zusammenarbeiten mit freien Choreograf:innen und Tanzkompanien, darunter go plastic company, Polymer DMT, KOMA&Ko, situation productions, Natalie Wagner und Joseph Hernandez. Darüber hinaus engagiert sie sich seit 2019 aktiv im TanzNetzDresden und ist seit 2026 Vorstandsmitglied des Netzwerks. Zu ihren eigenen choreografischen Arbeiten zählen „Porcelain Madness“ (2020) und „Peng! Peng!“ (2023, gefördert von explore dance – Netzwerk Tanz für junges Publikum).