Faust, Falstaff, Frankenstein

Paul-Henri Campbell als Chamisso-Poetikdozent

Foto: Radek Pirkl

Bei den Vorlesungen der Dresdner Chamisso-Poetikdozentur, die 2001 erstmals von der TU Dresden vergeben und nach einer längeren Pause 2020 von der Sächsischen Akademie der Künste wieder belebt wurde, reflektieren in Deutsch schreibende Autoren nichtdeutscher Muttersprache ihre Erfahrungen beim Schreiben in einer anderen Sprache und setzen sich mit nationalen und normativen Zuschreibungen von Literatur und Kultur, Heimat und Geschichte auseinander. Der Name der Dozentur geht auf Adelbert von Chamisso (1781-1848) zurück, einem Naturforscher und Dichter der trotz seiner französischen Muttersprache bedeutsame Werke in deutscher Sprache schuf, von denen vor allem »Peter Schlemihls wundersame Geschichte« bekannt wurde.

Dozent in diesem Jahr ist der deutsche-amerikanische Autor Paul-Henri Campbell. Der 1982 in Boston geborene Sohn eines amerikanischen Army-Offiziers und einer deutschen Krankenschwester wuchs in Massachusetts auf und legte sein Abitur in Bayern ab. Er studierte Klassische Philologie und Katholische Theologie, wandte sich aber bald der Literatur zu. Er schreibt Gedichte und Essays, veröffentlichte aber auch essayistische Porträts von Malern und Grafikern.

Ist die Sprache ein Serum gegen das Böse? Was riskiert Poesie? Sind Gedichte kompensatorisch? Worin unterscheidet sich die Poesie von Religion? All das sind Fragen, denen Campbell in der dreiteiligen, von Michael Hametner moderierten Vorlesungsreihe nachgehen wird. »Frustmensch trifft Lustmensch. Johann Faust und Sir John Falstaff sitzen in einer Bar« ist der Titel der ersten Vorlesung. Danach wird sich Campbell den Themen »Frankenstein als Poet. Wege aus der Dystopie« und »Kranke Gedichte. Über hinkende Vergleiche, Stilbrüche und holpernde Verse« widmen.
wo.

Dresdner Chamisso-Poetikdozentur mit Paul-Henri Campbell
15., 22. und 29. November jeweils 19.30 Uhr, Zentralbibliothek
Anmeldung per E-Mail an anmeldung©sadk.de, auf dem Anmeldeformular unter www.sadk.de oder telefonisch unter  0351 810763 02. Zu den Zugangsvoraussetzungen gehört die 2G-Regel.