Für den Anspruch und das Recht, in Freiheit zu leben

Dresdner Friedenspreis 2026 für polnische Frauenrechtsaktivistin Klementyna Suchanov

Klementyna Suchanow (Foto: Andrzej Świetlik)

Am Sonntag erhielt die polnische Autorin, Journalistin und Feministin Klementyna Suchanov  in einem Festakt in der Semperoper den Dresdner Friedenspreis. Der seit 2010 vergebene und mit 10.000 Euro dotierte Preis wird von der Initiative Friedenspreis Dresden und der Klaus Tschira Stiftung vergeben. Klementyna Suchanov gehörte in ihrem Heimatland Polen im Jahr 2016 zu den Gründerinnen von "Ogólnopolski Strajk Kobiet", der Frauenstreik-Bewegung, die gegen die Verschärfung der Abtreibungsgesetze auftrat und Großdemonstrationen mit zehntausenden Teilnehmenden organisierte. Dafür wurde sie mit Repressalien belegt, in Haft genommen und misshandelt. In der Folgezeit machte sie mit vielfältigen Aktivitäten deutlich, dass die Beschneidung der Rechte von Frauen und Minderheiten Teil eines weitweiten Kampfes für grundlegende Menschenrechte und Freiheit ist. Auch wenn ihr Name vielleicht nicht so bekannt ist wie frühere, zumeist männliche Preisträger – zu ihnen zählen unter anderem Michael Gorbatschow, Daniel Barenboim oder Alexey Nawalny – ihr Buch „Das ist Krieg“ (2023 in Deutsch erschienen) über weltweit agierende Allianzen zur Abschaffung der Menschenrechte, erregte über Polen hinaus Aufmerksamkeit. „Ich habe mich daran gewöhnt, unterdrückt und überwacht zu werden. Ausgezeichnet zu werden ist etwas Neues", so Klementyna Suchanov.

Der ehemalige luxemburgische Außenminister Jean Asselborn hielt die Laudatio auf die 1974 geborene Frauenrechtlerin und verknüpfte ihren persönlichen Werdegang und Widerstand mit den Entwicklungen nach dem Wahlsieg der polnischen PiS von Kaczynski auf internationaler Ebene: Die Bestrebungen Polens, die Grundregeln der Demokratie zu zersetzen, verbinden sich über einen aus Russland gesteuerten Fundamentalismus mit dem amerikanischen Trump-Pragmatismus und dem Abbau des Rechtsstaates wie man ihn aus Orbans Ungarn kennt und gefährde die Demokratie in ganz Europa und den Frieden in der Welt. „Frauen sind oft bereit, entschlossener zu kämpfen“ würdigte er den persönlichen Einsatz von Klementyna Suchanov als Aktivistin auf der Straße wie als Wissenschaftlerin. „Für Frauenrechte einzustehen bedeutet, für die Würde aller einzustehen“-  sein abschließendes Fazit.

Die Geehrte blickte in ihrer Dankesrede zurück auf ihre Familiengeschichte, in der sich die gesellschaftlichen Umbrüche in Polen spiegeln. Parallel mit dem Widerstand gegen das Abtreibungsverbot in Polen begann sie als Literaturwissenschaftlerin mit Recherchen zu den Hintergründen des radikalen Wandels zu konservativen Werten und verstand ihn als globales Phänomen. Deutliche Worte findet sie für die Hintermänner, die in rechten internationalen Organisationen unter der Schirmherrschaft des Kremls agieren. Mit dem Krieg in der Ukraine befinden „wir uns nun in der zweiten Phase – der Machtübernahme durch die ‚Alt-Intern-Kräfte‘, die dank der Bemühungen des Kremls im Westen aufgebaut wurden“ warnt sie, und dass „im Falle eines Krieges einfache Bürger:innen mit ihrem Leben dafür bezahlen. Deshalb rufe ich auf, zu entschlossenen Mitteln zu greifen, auch zu ungewöhnlichen…“ Die Initiatoren des Friedenspreises hatten gleich zu Beginn der Preisverleihung unter der Überschrift „Dresdner Anstoß“ eine neue Initiative verlesen: „Mut ist der Anfang des Friedens. Nicht schweigen. Nicht zusehen. Nicht ignorieren. Was jetzt passiert, ist lebensgefährlich… Jetzt Frieden schaffen!“ Auch in den Grußworten von Ministerpräsident Michael Kretschmer, Bürgermeisterin Annekatrin Klepsch und Kuratoriumspräsident Peter Theiler klang neben den Glückwünschen für die Preisträgerin die Sorge um die Demokratie bei uns in Deutschland und den Erhalt des Friedens mit. 

Peter Ufer, geschäftsführender Gesellschafter des Preises, moderierte die Veranstaltung nahbar und auch gewitzt und mit den künstlerischen Beiträgen zur Umrahmung der Veranstaltung gab es Raum zur Reflexion und Besinnung. Eingeladen waren zu Ehren der Preisträgerin der polnische Jazz-Pianist Dominik Wania, der Rapper Juse Ju als Stimme der Jugendkultur sowie die Tänzerin Katja Erfurth. Gemeinsam mit dem Geiger Florian Mayer brachte sie in Würdigung der Preisträgerin das Tanzstück „imstande“ zur Uraufführung, welches Selbstbestimmtheit und Haltung thematisierte. Ein Spendenaufruf zur Finanzierung eines Friedensbaums für Dresden beschloss den würdevollen Festakt.
 IsMa

www.friedenspreis-dresden.de