Gute Aussichten

Das coronakonforme SAX-Ausflugsspecial

Foto: Angela Stuhrberg

Jedes Jahr im Mai geben wir ein paar Tipps für Kurztrips hinaus ins Freie. Aber nun im Jahre 2021 ist das nicht mehr so einfach, da die Inzidenzien die Regeln des Alltags bestimmen. Aber in Stuben gehockt wurde nun zur Genüge, also machen wir das was geht: Ausflüge mit Aussichten. Also werden die Brotbüchsen und Verpflegungsbeutel gepackt, denn die Kneipen und Cafés in ländlicher Umgebung sind geschlossen – mit Glück bekommt man einen Happen to go. Und schon geht es los zu ein paar Plätzen, die man möglicher-weise noch nie oder schon lange nicht mehr besucht hat, obwohl sie einem durchaus bekannt sind. Nicht beachtet werden Aussichtstürme, da sie derzeit geschlossen sind. Vom Fernsehturm ganz zu schweigen. Alles hier Genannte ist zu erreichen ohne Eintritt und Verpflegung, wobei wahrscheinlich der eine oder andere Imbiss wieder geöffnet hat.

Die Babisnauer Pappel
Auf dem Zughübel im Dresdner Süden ist der reichlich 17 Meter große Baum von Weitem schon zu sehen. 1808 wurde die Schwarz-Pappel hier als Besitzgrenze gepflanzt und hat seitdem einiges erlebt. Sie überlebte schwere Wetter, mehrere Stürme, sie wurde angezündet. Es ging ihr nicht immer gut, sie blüht auch nicht jedes Jahr. Und doch ist sie als fast singulär stehendes Naturereignis mit Stamm beliebt bei Spaziergehenden und Wandernden – nur eine Eiche steht am Wege vis-à-vis. In aller Breite bietet sich von hier der Blick auf Dresden, eine Plattform bietet noch ein wenig mehr Höhe. Wanderungen bieten sich an durch den Gerbergrund, man kommt leicht nach Goppeln oder Kreischa. Und nicht selten steht jemand hier oben und summt – ohne es zu merken – das Liedchen »Alt wie ein Baum«.

Der Hellerblick
Wer das im Dezember erschienene Video vom 01099er-Gustav zum Song »Frisch« gesehen hat, kennt das Plateau hinter der Heeresbäckerei schon mal ganz gut. Die Wiese mit einem Rundweg sowie Abwegen in mehrere Richtungen ist schnell zu erreichen und der perfekte Platz für städtische Fresh-Air-Snapper ohne Zeit (oder Lust) zur großen Wanderung. Die Aussicht bietet einen herrliche Draufblick über die Neustadt sowie nach Hellerau und Klotzsche sowie weit darüber hinaus. Wer aber doch mehr per pedes unterwegs sein will, kann von hier einem etwa 12 Kilometer langen Pfad in die Gartenstadt Hellerau folgen – schöne Panoramaausblicke belohnen die Mühe.

Agneshöhe
Oberhalb von Wachwitz bietet sich die Agnes-höhe als ganz besonderer Aussichtspunkt an. Von Heidenau bis zum Lößnitzhang über die Elbe hinweg hat man eine tolle Augenweide auch auf die linkselbischen Stadtteile Tolkewitz und Laubegast. Dampfer und Schlepper sieht man den Fluss entlang tuckern und wenn es nicht zu duns-tig ist, kann man die Domtürme zu Meißen entdecken. Die Agneshöhe eignet sich auch gut, um den mitgebrachten Proviant zu verzehren und als Rastplatz für einen der verschiedenen Wanderwege. Zielführend sind der Agnesbrunnen sowie die Wachwitzer Bergstraße mit der Hausnummer 3, dann muss man dem Schild »Durch die Görlze zur Agneshöhe« folgen. Namensgeberin ist übrigens die Frau des Dresdner Malers Woldemar Hottenroth – beide lebten unweit von Pappritz.

Rockauer Aussicht
Dieses herrliche Panorama am südwestlichen Rand des Schönfelder Hochlands lässt sich gut wandernd mit der Agneshöhe verbinden, die Sicht in die Sächsische Schweiz und bis nach Tschechien hinaus ist aber von hier weitaus besser. Gern läuft man durch den Keppgrund zu diesem Platz, der auch Sachsens Hiefel genannt wird. Eine empfehlenswerte Laufempfehlung ist die zu zwei weiteren Ausblicken, der Malschendorfer Höhe und zum Zuckerhut.

Der Quirl
Der Quirl ist ein relativ niedriges Sandsteinmassiv auf einer Höhe von 350 Metern, das aber von allen Steinen der Sächsischen Schweiz die größte und geschlossenste Platte hat. Sie ist einen Kilometer lang, 350 Meter breit und mit einer eiszeitlichen Lehmschicht bedeckt. Auf dem Plateau wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts sogar Felder bebaut. Am Fuße des Quirls befindet sich die Diebshöhle an der Quirlpromenade in einer Felswand. Am Aussichtspunkt an der Südostecke des Quirls bietet sich ein einzigartiger Blick auf Pfaffendorf, den Gohrisch, den Pfaffenstein bis hin zum Schneeberg.

Das Biedermann-Mausoleum
Das Biedermann-Mausoleum wurde als Teil des Schlossensembles von Schloss und Park Thürmsdorf am südöstlichen Rand der Thürmsdorfer Rittergutsflur auf einer steilen Felsklippe errichtet, die etwa 200 Meter tief zur Elbe abfällt. Am gleichen Standort befindet sich die bekannte Alexander-Thiele-Aussicht. Hier schuf der berühmte Romantiker ein Gemälde mit Blick über den Elbbogen zur weltbekannten Festung Königstein. Der prämierte Kunst- und Naturwanderweg – der Malerweg – führt direkt am Mausoleum vorbei. Das Mausoleum wurde durch den Baron Freiherr von Biedermann als Familiengrabstätte 1920/21 errichtet, es folgt der Stilistik und den Entwürfen des bekannten Parkgestalters Max Bertram, welcher auch den Schlosspark Thürmsdorf in den Jahren 1910 bis 1912 als sein Spätwerk erschuf.

Der Wirtsberg
Der Wirtsberg liegt in Landwüst, einem Ortsteil von Markneukirchen. Die 664 Meter hohe Erhebung bietet eine besonders schöne Aussicht, denn hier handelt es sich um einen unbewaldeten Tafelberg – somit ist die Sicht nach allen Seiten ungehindert möglich. Diese bietet einen wunderbaren Blick auf das obere Vogtland. Schön-eck, der Aschberg oder auch der Hainberg auf der böhmischen Seite lassen sich von hier aus erblicken. Zudem gibt es hier ein Aussichtsturm genanntes sehenswertes Gebäude. Die Konstruktion besteht fast komplett aus Holz und soll an einen Meiler erinnern, der in der Nähe vom Wirtsberg betrieben wurde. Der Architekt Benno Kolbe entwarf das Haus 1986 als eine Art Schutzhütte.

Der Schwedenstein
Bei klarem Wetter hat man vom Schwedenstein bei Pulsnitz eine Fernsicht über das Lausitzer Land bis ins Erzgebirge und nach Nordböhmen. Den Dresdner Fernsehturm, Teile des Osterzgebirges im Südwesten, die Domtürme von Meißen und der Collmberg bei Oschatz im Westen sind ebenfalls sichtbar. Der Hausberg der Gemeinde Steina wurde erstmals 1754 unter dem Namen Gickelsberg erwähnt, und da Gickeln gleichbedeutend ist mit gucken oder ausschauen weiß man, dass schon in früheren Jahrhunderten hier Ausschau gehalten wurde.

Der Oschatzer Collm
Er ist mit 312 Metern über dem Meeresspiegel Nordsachsens höchste Erhebung und bietet einen schönen Rundumblick auf Oschatz und Umgebung. Den Weg hinauf startet man am besten am Wanderparkplatz am Calbitzer Weg nahe der Ortschaft Collm. Die kleine Runde führt mit sechs Kilometern Länge zum schatzlosen Silbersee und auf den Collmberg, die große Runde über die doppelte Wegstrecke führt optional zum Wüsten Schloss Osterland vor den Toren von Oschatz. Oben wird man vom Albertturm empfangen, der bereits anno 1854 Wandersleute zu Aussichten ringsum einlud. Er wird aber momentan – wie alle Aussichtstüme – geschlossen sein.    
JH