Im Zauber

Die 45. Dresdner Musikfestspiele beginnen am 11. Mai

„Zauber“ steht über den diesjährigen Dresdner Musikfestspielen. Und in der Tat, es grenzt beinahe an Zauberei, dass sie in diesem Jahr wieder in vollem Umfang stattfinden können. Was dann nach der Eröffnung am 11. Mai im Kulturpalast bis zum 10. Juni so alles unter diesem Motto „Zauber“ zu erwarten sein wird? Eine Auswahl an Höhepunkten, Entdeckungen und Namen hat Michael Ernst zusammengestellt.

Während anderenorts Orchester um ihre Existenz bangen, abgewickelt oder fusioniert werden, haben die Dresdner Musikfestspiele das Gegenteil gewagt und ein neues Orchester ins Leben gerufen: das Dresdner Festspielorchester. Zehn Jahre ist das jetzt her, und diesen besonderen Klangkörper gibt es noch immer. Zum aktuellen Festspieljahrgang wird er sowohl das Eröffnungskonzert am 11. Mai als auch das Abschlusskonzert der Musikfestspiele am 10. Juni gestalten.

Ein Orchester mit Alte-Musik-Experten aus rund 25 Ländern, um in erster Linie die Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf Originalinstrumenten zu pflegen. Weil: historisch informierte Barockmusik kann ja inzwischen fast jeder.

Somit gibt es zur Eröffnung des 45. Festspiel-Jahrgangs neben Mozarts „Zauberflöten“-Ouvertüre und dessen „Jupiter“-Sinfonie auch Beethovens 5. Klavier ganz nahe am vermeintlichen Uraufführungsklang. Der junge (und als 16-Jähriger in Dresden entdeckte!) Pianist Jan Lisiecki spielt den Solopart - erstmals auf einem historischen Hammerflügel aus der Beethoven-Zeit. Die musikalische Leitung hat der französische Dirigent Jean-Christophe Spinosi.

Damit wird die zehnjährige Orchestergeschichte fortgeschrieben, freut sich Michael Neuhaus, der am Kontrabass als Mann der ersten Stunde gilt. Mit berechtigtem Stolz blickt er stellvertretend für seine Musikerinnen und Musiker auf Gastkonzerte in der Berliner Philharmonie, der Elbphilharmonie Hamburg sowie zu mehreren Festivalauftritten in Kolumbiens Hauptstadt Bogotá zurück. „Dass wir Eröffnungs- und Abschlusskonzert der diesjährigen Musikfestspiele gestalten dürfen, sehen wir als große Ehre an. Auch in Zukunft werden wir mit spannenden Projekten den guten Ruf der Festspiele in alle Welt tragen.“

Auch Intendant Jan Vogler ist von der Idee des Dresdner Festspielorchesters absolut überzeugt: „Wir haben damals versucht, etwas zu gründen, das unser Hören verändert. Ich weiß noch, wie das Publikum anfangs verblüfft gewesen ist, denn das klang plötzlich wahnsinnig transparent.“ Auch er selbst musste sich umstellen und zog für Konzerte und CD-Einspielungen mit diesem Orchester Darmsaiten auf sein Cello.

Voglers Bilanz um zehnjährigen Bestehen: „Es gibt nicht viele Orchester, die das romantische Repertoire so oft und so gut spielen.“ Einmal mehr unter Beweis gestellt werden soll dies  am 10. Juni unter dem Dirigat von David Robertson mit Beethovens Chorfantasie op. 80 sowie seiner 9. Sinfonie mit Schillers Ode an die Freude.

Was bis dahin bei den Dresdner Musikfestspielen unter dem diesjährigen Motto „Zauber“ zu erleben sein wird, verspricht in der Tat zauberhaft, ver- und bezaubernd zu werden. Ein Stelldichein namhafter Solistinnen und Solisten, Kammerensembles und Sinfonieorchester. Sozusagen als Festival im Festival gibt es eine Fortsetzung der „Cellomania“, in der neben Jan Vogler Koryphäen wie Sol Gabetta, Gautier Capuçon, Jean-Guihen Queras, Marie-Elisabeth Hecker sowie die aus Pirna stammende Friederike Herold und Nicolas Altstaedt mitwirken werden. Bei solch einem Highlight nicht fehlen dürfen natürlich die 12 Cellisten der Berliner Philharmoniker.

Dominiert werden die Festspiele traditionell von klassischer Musik, es gibt aber auch spannende Ausflüge in Nebenfelder und Grenzbereiche. Die Band Apocalyptica gibt sich die Ehre, das Ensemble Shiraz entführt in ferne Klangwelten, Martin Grubinger liefert schlagende Argumente, Angélique Kidjo ist eine Entdeckung wert, Ute Lemper zählt zu den Stammgästen, Raul Midón sowie Omer Sosa werden erwartet und mit Jamie Cullum setzen die Veranstalter wohl ohnehin auf populäre Breitenwirkung.

Klassikfans dürften sich eher auf Gastspiele großer Orchester freuen, das der Mailänder Scala etwa, das London Philharmonic Orchestra, die Wiener Philharmoniker sowie die Kremerata Baltica, und Barockorchester wie La Cetra aus Basel nebst La Folia.

Überraschenderweise, so Intendant Jan Vogler, gibt es zu fast allen Veranstaltungen noch Karten, was auf die erst kürzlich erhöhte Platzkapazität zurückzuführen ist. Der Intendant weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass dies keineswegs mit Sorglosigkeit verbunden sei: „Wir sind wirklich sehr vorsichtig. Es gibt feste Teststrategien somit Sicherheit für sämtliche Künstler und Publikum. Wir freuen uns auf jeden Gast unserer Konzerte und ich verspreche, dass jeder sagen wird: Ein Glück, dass ich heute da war.“
Michael Ernst

45. Dresdner Musikfestspiele 11. Mai bis 10. Juni
www.musikfestspiele.com