In Deutschland zum Blues bekehrt

Big Daddy Wilson war am 16. November bei den Jazztagen Dresden

Foto: Hans-Joachim Maquet

Es gehört zum Selbstverständnis der Jazztage Dresden, den Jazz in seiner ganzen Bandbreite, also in seinen Randgebieten auszuleuchten. Und da der Jazz sich einst aus dem Blues entwickelt hat, gehört immer auch mindestens eine Blues-Night in das Programm, das Intendant Kilian Forster liebevoll vielseitig jedes Jahr zusammenstellt. In diesem Jahr war wieder Big Daddy Wilson zu Gast, ein Blues-Musiker, der seine Liebe zum Blues interessanterweise nicht in seiner amerikanischen Heimat entwickelt hat, sondern erst hier in Deutschland entdeckte, wo er nach seiner Armeezeit der Liebe wegen geblieben war. Gleichwohl ist seine Musik authentisch und sein 2017er Album Neckbone Stew wurde in die Bestenliste der Deutschen Schallplattenkritik aufgenommen. Derzeit ist er mit seinem aktuellen Album „Deep in my Soul“ auf Tournee.

Big Daddy Wilson nimmt mit seiner sonoren Stimme sofort gefangen und seine Botschaften über Freude des Lebens, Beharrlichkeit in der Liebe oder auch das Liebesleiden nehmen gleich gefangen. Aber an diesem Abend ist auch sein Programm breiter angelegt. Auf den Bluesteil aus seinem neuen Album folgen Soul-Evergreens von Marvin Gaye, Otis Redding und was sonst noch an Motown-Klassikern inzwischen zu den Standards gehört.  Das Publikum in den bis auf den letzten Platz einschließlich der Stehplätze gefüllten Ostra-Studios verlangte nach mehreren Zugaben und ging begeistert mit.

Parallel lief im Ostra Dome das Konzert des Jazz-Funk-Musikers Nils Landgren. Auch jenes Konzert war ausverkauft und auch hier jubelte das Publikum begeistert, so daß die Musiker auch hier ihr Programm deutlich überzogen.

Die Jazztage Dresden laufen noch bis zum 24. November mit täglich zum Teil mehreren Konzerten. Dabei werden nicht nur typische Jazzmusik, wie sie die Bevölkerung für gewöhnlich unter dem Begriff Jazz erwartet, sondern zeigt auch die Ränder auf, Berührungen mit der Klassik, mit dem Blues, mit dem Rock oder auch mit folkloristischen Elementen. Karten gibt es bei den üblichen Vorverkaufsstellen, direkt bei den Jazztagen unter (0351) 4540304 oder über ticket©jazztage-dresden.de.
Ra.

Big Daddy Wilson 16. November, Ostra-Studios, Jazztage Dresden