Jazztage im Frühjahr

Viktoria Tolstoy war im Piano-Salon zu Gast

Foto: Hans-Joachim Maquet

Während die Jazztage Dresden bereits mit Druck an der Zusammenstellung des neuen Programms für die Jazztage vom 21.Oktober bis 23. November arbeiten (bisher fest gebuchte Konzerte unter  www.jazztage-dresden.de), dürfen die Dresdner bereits im ersten Halbjahr drei Highlights außerhalb des Festivalzeitraums gleichsam als „amuse oreilles“ genießen.

Den Anfang machte am 3. März Viktoria Tolstoy mit ihrer Band im Piano-Salon des Coselpalais an der Frauenkirche. Die Ururenkelin (mütterlicherseits) des russischen Dichters Lew Tolstoi (Krieg und Frieden, Kreutzer-Sonate, etc.) ist seit gut zwanzig Jahren ein gefeierter Star am Jazz-Firmament. Kooperationen mit Ray Brown und dem am letzten Freitag verstorbenen McCoy Tyner, aber auch den Schweden Nils Landgren und Esbjörn Svensson machten sie bekannt. Aber längst gilt die schwedische Sängerin mit der gigantischen Stimme, optisch eine Wiedergängerin der älteren „Wessis“ noch bekannten jungen Marlène Charell, auch selbst als Publikumsmagnet. Ob sie eigene Titel vorträgt oder bekannte Standards interpretiert: es ist immer Viktoria Tolstoy mit ihrer ganz persönlichen Note, die dem Stück das Gepräge gibt. Ob tief moduliert oder im höchsten Sopran die Bandbreite ihrer Stimme ist beeindruckend.

Dabei deckte die 45-Jährige die ganze Bandbreite von zart bis kraftvoll voluminös ab. Viele Standards erfuhr man durch sie vollkommen neu. Sympathisch natürlich wirkten ihre Albereien auf der Bühne mit ihrem Trio. Begleitet wurde sie von dem talentierten und smarten Pianisten Joel Lyssarides, dem sensationell virtuosen Gitarristen Krister Jonsson und dem dahinter nicht zurückbleibenden Bassisten Matthias Svensson, die jeweils mit das Publikum zu Sonderapplaus hinreißenden Soli zeigten, wie heißblütig skandinavischer Jazz sein kann. Die Interaktion der Musiker ließ das Publikum spüren, wieviel Spaß die Musiker selbst an dem Miteinander-Musizieren hatten. Der Funke sprang über. Natürlich ging es nicht ohne Zugaben an diesem gelungenen Auftaktabend des Jazztage-Jubiläums-Jahres 2020. Und doch war das Konzert gefühlt viel zu früh zu Ende. Lust auf mehr?

Für den 29. April um 20 Uhr ist ein Konzert mit der norwegischen Sängerin Silje Nergaard geplant. Diese Sängerin ist Jazzfreunden unter anderem von ihrem früheren Auftritt bei den Jazztagen bekannt. HighEnd Fans schätzen außerdem die brilliant aufgenommenen Alben dieser Sängerin mit der kristallklaren Stimme und den nachdenklichen Texten. Ob das Konzert im Salon des Vienna House im QF stattfinden kann wird man abwarten müssen. Karten gibt es bei den bekannten Vorverkaufsstätten oder direkt bei den Jazztagen.
Ra.