Kunstprojekt in der robotron-Kantine ausgsetzt

Ein Eigentümerwechsel sorgt für hoffentlich temporären Stillstand

Ehemalige Robotron-­Betriebsgaststätte, Übereckansicht Nordwestseite und Speisesaal, 1976, SLUB /Deutsche Fotothek, Foto: Regine Richter

Um dem fortschreitenden Vandalismus an der robotron-Kantine, einem Architekturzeugnis der Ostmoderne im Herzen von Dresden, durch Kunst aufzuhalten und damit trotz Pandemie optimistische Zeichen für die Zukunft zu setzen, hat das Dresdner Kunsthaus ein Kunstprojekt an dem derzeit leerstehenden Gebäude auf den Weg gebracht.  Das Projekt „Prelude Nord Ost Süd West“, das sich bereits in der Umsetzung befand, muss nun kurzfristig ausgesetzt werden, teilen die Museen der Stadt Dresden mit. Ende Dezember 2020 wurde ein Eigentümerwechsel für das geplante Wohnquartier auf dem ehemaligen robotron-Betriebsgelände und damit auch für den ehemaligen, noch erhaltenen, historischen Pavillonbau der robotron-Kantine bekannt.

Die Holding der Familie Ketterer trennte sich von der Projektentwicklungsgesellschaft Gerchgroup AG, an der ihr knapp die Hälfte der Anteile gehörten. Die Gerchgroup war bis dato die Eigentümerin des robotron-Areals. Neben Projektentwicklungsarealen in Köln und Düsseldorf übernahm die SN Beteiligungen Holding im Zuge der allseits als friedlich und partnerschaftlich bezeichneten Trennung auch die zukünftige Entwicklung der „Quartiere am Blüherpark“ im Zentrum von Dresden.

Die Planung wie auch die unabhängige Finanzierung des Kunstprojektes an der robotron-Kantine seitens des städtischen Kunsthauses steht seit Mitte letzten Jahres. Vier Dresdner Künstlerinnen und Künstler sollten die Außenfassade des leerstehenden Gebäudes bespielen. Das Kunsthaus, das bereits seit zwei Jahren mit verschiedenen Partner:innen an konkreten Plänen für eine kulturelle Nutzung des historischen Gebäudes arbeitet, hofft auf eine baldige Wiederaufnahme des laufenden Projektes in Zusammenarbeit mit der neuen Eigentümerin. Die Leiterin des Kunsthauses Dresden, Christiane Mennicke-Schwarz, erklärt: „Kunst kann Entwicklungen von Gesellschaft beeinflussen. Gerade in diesen für Künstler:innen schwierigen Zeiten geht es darum, präzise und zugleich optimistische Zeichen für eine lebendige Kultur und Gemeinschaft zu setzen. Wir hoffen, dass das Projekt noch im Frühjahr weitergeht.“  

Die Dresdner Bürgermeisterin für Kultur und Tourismus, Annekatrin Klepsch, kommentiert die Entwicklung wie folgt: "Die robotron-Kantine ist bauliches Zeugnis der Nachkriegsmoderne in der Dresdner Lingnerstadt, in der zwischen Blüherpark, Hygiene-Museum und zukünftiger Wohnbebauung Zeitschichten aus vier Jahrhunderten aufeinandertreffen. Als Solitär erinnert die sogenannte Kantine an moderne Kunsthallen in anderen Städten und lädt aufgrund ihrer offenen Bauweise nach drei Seiten dazu ein, besucht zu werden.

Ein Gebäude, das auch in der zukünftigen Lingnerstadt Ort des Diskurses, der Vermittlung und Reflektion sein kann. Ein Ort, der auf dem Weg zur Neubebauung des Areals zwischen den Zeitschichten sowie im Innen- und Außenraum mit den Mitteln der Kunst experimentell erkundet werden kann, weil er durch Um- und Nichtnutzung unfertig und selbst in Transformation befindlich ist. Die Bespielung der Kantine durch Projekte wie „Prelude Nord Ost Süd West“ und weitere, für 2021/22 geplante internationale Kunstprojekte durch das Kunsthaus Dresden sowie die temporäre Zwischennutzung des Gebäudes durch die Ostrale im Sommer 2021 sind eine große Bereicherung für Dresden.“  

Das derzeit ausgesetzte Kunstprojekt „Prelude Nord Ost Süd West“ wird in Trägerschaft des Kunsthaus Dresden sowie in Partnerschaft mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden/Kunstfonds, HELLERAU - Europäisches Zentrum der Künste, dem Konglomerat e. V., Ostmodern e. V., der Ostrale e. V. und der Galerie Ursula Walther initiiert.

www.kunsthausdresden.de