Kurz vor dem Auftakt

Der Intendant gibt Einblicke in den Stand der Vorbereitung der diesjährigen Dresdner Musikfestspiele

Die gute Nachricht vorab: Der Kartenvorverkauf ist erfolgreich wie nie zuvor, die erfolgten Kürzungen im Budget können voraussichtlich durch eine gute Auslastung abgefangen werden. Intendant Jan Vogler führt die große Nachfrage auf das diesjährige Motto „Leichtigkeit des Seins“ zurück und natürlich auf das abwechslungsreiche Programm, das vom 14. Mai bis 14. Juni 2026 an 24 Spielstätten mit vielen internationalen Stars und spannenden Formaten aufwartet.

Kaum noch Tickets wären jedoch zu ergattern für das Renommierprojekt „Götterdämmerung“ von Richard Wagner als historisch orientierter konzertanter Aufführung (14.5.). Der Abschluss des Wagner-Zyklus nach vier Jahren und die anschließenden Gastspiele mit dem Festivalorchester waren dem Packard Humanities Institute aus Kalifornien eine Spende von fast 1,7 Millionen Euro wert, was das Festivalbudget auf insgesamt 6,6 Millionen Euro ansteigen ließ. Überregionales Aufsehen erregte das Vorhaben schon vor der Aufführung, wichtige Medien haben sich für die Berichterstattung angesagt und viele Menschen reisen extra dafür von weit her an.

Mehr Geld soll jedoch auch mehr Kultur für alle ermöglichen. Trotz öffentlich knapper werdender Zuschüsse (die Stadt kann 2026 nur noch 890.000 Euro beisteuern), will das Festivalteam auch zukünftig auf hohem Niveau agieren. Auch Dank verstärktem Sponsoring von Privatpersonen, Firmen und großen Unterstützern wie der Ostsächsischen Sparkassenstiftung. Öffentliche Mittel, Sponsoring und Ticketeinnahmen zusammengenommen, sollen als positive Botschaft aus Dresden die Relevanz der Kultur auch in schwierigen Zeiten verteidigen, so Jan Vogler. Dabei ist Geld nur ein Faktor erfolgreicher Festivalplanung: Dresden wie Deutschland insgesamt konkurrieren mit Musikzentren in der ganzen Welt und den neuen Möglichkeiten von Musikkonsum und Vermarktung in den Medien.

2026 ist der Musikfestspielkalender jedenfalls attraktiv gefüllt. Ein thematischer Schwerpunkt ist dank ihres Cello-spielenden und international bestens vernetzten Chefs zum wiederholten Mal das Cellofestivals »Cellomania «, bei dem rund 40 Cellisten aus aller Welt in 17 Konzerten zu erleben sind. Allein die „Lange Nacht des Cellos“ im Kulturpalast bringt 17 Solocellisten mit einem besonderen Programm auf die Bühne, die sonst nie zusammen spielen. Eine einmalige Gelegenheit, die absolute Celloelite zu erleben! (24.5.) Besondere Erwartungen verbindet der Intendant mit dem Gastspiel des London Philharmonic Orchestra mit seinem Chefdirigenten Edward Gardner. Very british bringt es in zwei Konzerten Beispiele aus der Musikkultur ihres Landes. Im Zentrum steht das Schaffen von Edward Elgar, dessen Konzert für Violoncello und Orchester Jan Vogler als Solist bestreiten wird. (25./26.5.).

Doch auch wer am Repertoire und den Ritualen des klassischen Konzertwesens nicht so interessiert ist, kann im Programm passende Formate finden. So hat sich die Anzahl der Aufführungen in einer so besonderen Location wie dem Stromwerk erhöht. Hier wird u.a. Masaa zu erleben sein (31.5.) oder als Kontrastprogramm dazu:  „Schlagertherapie & Tobias Moretti“ mit Bearbeitungen der schönsten Schlager der 1950er und 1960er-Jahre (6.6.). In der Theaterruine St. Pauli ist mit Jean-Guihen Queyras & Friends eine Fusion aus Jazz und Klassik zu erleben (16.5.) und im Schauspielhaus die Puppentheaterperformance „Böhm“ als Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin (19.5.).

Im Militärhistorischen Museum der Bundeswehr widmet sich Omer Meir Wellber & Blaues Ensemble Brüchen in der deutschen Geschichte und Musik (10.6.) und auch die Wissenschaft darf mitspielen beim Humor-Labor „Sound & Science“ im Zentrum für regenerative Therapien Dresden (29.5.). Manche der Programme beruhen auf aktuelle Themen und Angebote wie das Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen mit Konzerten der israelischen Sängerin Noa (5.6.) oder der Weltmusikband The Tomboys im Schlosshof des Residenzschlosses (2.6.).

Andere Formate sind auf Initiative des Teams auch ganz neu gedacht. So wird in diesem Jahr „Dresden singt“ (30.5.) auf der Freitreppe der Brühlschen Terrasse nicht mit Chören, sondern von der Band Manina gemeinsam mit einem hoffentlich sangesfreudigen Dresdnern Publikum bestritten. Das kann auch weitere Veranstaltungen kostenfrei erleben. Ansonsten sind die Ticketpreise für die Konzerte und Aufführungen weit gestaffelt. Attraktive Ticketermäßigungen werden jungen Besucher:innen bis 30 Jahren geboten. Wer möglichst günstig Tickets erwerben möchte, sollte schnell aktiv werden. Einige Konzerte sind leider bereits komplett ausverkauft!  
Isolde Matkey

Dresdner Musikfestspiele 14. Mai bis 14. Juni
www.musikfestspiele.com