Neues Leben im Quartier
Das Stadtteilhaus Johannstadt wird eröffnet
Es tut sich was in der »J-Hood«, der Johannstadt, die seit ein paar Jahren dabei ist, sich zu einem spannenden Viertel zu mausern. Seit Anfang der 1990er war der Johannstädter Kulturtreff in der Elisenstraße 35 das wichtigste soziokulturelle Zentrum in der Nördlichen Johannstadt, zuletzt jährlich genutzt von bis zu 45.000 Menschen unterschiedlicher Herkunft und fast jeden Alters. Allerdings entsprach das ehemalige Kindergarten-Gebäude schon eine ganze Weile nicht mehr den Anforderungen einer generationsübergreifenden sozio- und interkulturellen Arbeit, eine Sanierung kam aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage.
Ende 2017 fasste der Dresdner Stadtrat deshalb den Beschluss zum Neubau eines Stadtteilhauses, finanziert aus Städtebaufördergeldern und Eigenmitteln der Landeshauptstadt. Die Standortwahl fiel auf ein bis dato als Parkplatz genutztes städtisches Grundstück an der Pfeifferhannsstraße, direkt hinter der (bisweilen immer noch so genannten) Modrow-Kaufhalle des Konsums und dem Aldi-Markt von 2020. Entworfen wurde der Neubau nach einer europaweiten Ausschreibung vom Dresdner Architekturbüro AKL – Architektenkooperation Liststraße (L60 und Jordan Balzer Schubert Architekten) als gestaffelter Baukörper mit einem ein- und einem zweigeschossigen Teil samt Dachbegrünung und Photovoltaikanlage und einer hellen Klinkerfassade. Auf rund 3000 Quadratmetern verteilen sich Veranstaltungs-, Begegnungs- und Seminarräume, Werkstätten, ein Tanz- und ein Musikraum, mehrere Küchen, ein Café sowie Büros und Lagerräume, alles selbstverständlich barrierefrei zugänglich.
Clou ist die sowohl aus dem Inneren als auch über eine Außenfreitreppe zugängliche mehr als 700 Quadratmeter große (Dach)Terrasse, die derzeit noch ein wenig nackt aussieht, was sich bald dank Bepflanzung und Ausstattung mit Sitzgelegenheiten, einer Pergola sowie vielleicht irgendwann einer Bühne ändern soll. Von den Anwohnern gewünscht, gibt es unter der Treppe im Erdgeschoss eine öffentliche, barrierefreie und rund um die Uhr zugängliche Toilette.
Baubeginn war im Februar 2023, Richtfest im Mai 2024. Nach Baufertigstellung und -abnahme im April diesen Jahres zogen bereits der Johannstädter Kulturtreff e.V., der Kindertreff JoJo des Deutschen Kinderschutzbundes, die Johannstädter Beratungsangebote des Ausländerrats sowie die Lebenshilfe Dresden mit Assistenzangeboten für Menschen mit Behinderungen in das neue Haus. Ein weiterer Dauermieter ist der Stadtteilverein Johannstadt, zuständig unter anderem für das jährliche Bönischplatzfest und aktuell auch für die Redaktion des Stadtteilmagazins »Zeile«. Für das Café im Erdgeschoss ist man mit einem Betreiber im Gespräch, und donnerstags laden hier wieder die Frauen vom Social Café Halva zu Begegnungen zwischen Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte ein. In rund zwei Dutzend Räumen ist zudem nun reichlich Platz für die zahlreichen Freizeitangebote wie Töpfer- Mal- und Zeichenkurse, den Frauenchor und das Akkordeonorchester, Yoga, Scottish Country Dancing, English-Clubs und Skat-Nachmittage oder öffentliche Veranstaltungen wie Konzerte und Vorträge.
Das Stadtteilhaus ist Teil und Schlüsselprojekt des Städtebau-Fördergebiets »Nördliche Johannstadt«, in dessen Rahmen unter anderem auch der Johanngarten, die neue Lili-Elbe-Straße oder das Familienzentrum Alte Schokoladenfabrik entstanden sind. Es soll, so Geschäftsführerin Meike Weid, Kunst und Kultur in der Johannstadt fördern und ein zentraler Ort für Begegnung, Austausch und gesellschaftliche Teilhabe im Stadtteil sein. Ein Haus für Alle und offen für ganz unterschiedliche Nutzungen. Für nichtkommerzielle nachbarschaftliche Aktivitäten – vom Spieleabend bis zum Reisebericht – werden Räume kostenfrei zur Verfügung gestellt. Gemeinnützige Vereine sind ebenso willkommen, wie Initiativen für gemeinsame Projekte. Und Unternehmen und Dienstleister können etwa Räume für Seminare oder Workshops mieten.
Am 12. Juni lädt das Stadtteilhaus von 15 bis 20 Uhr zur großen Einweihungsparty ein. Nach der offiziellen Eröffnung durch Baubürgermeister Stefan Kühn sind alle Interessierten eingeladen, das Haus in Besitz zu nehmen und seine vielfältigen Angebote zu erkunden. Es gibt eine Podiumsdiskussion mit den Architekten und verschiedenen Vereinen sowie jede Menge Musik mit der Fiatelle Blaskapelle, dem Jazzpop Duo Midas, dem Frauenchor und einem DJ der Lebenshilfe. Für Kaffee und Kuchen sorgen Cross River Coffee und das Café Halva.
Und die verwaiste Elisenstraße 35? Davon bleiben zumindest Souvenirs in Form bunter Wandfliesen aus Keramik, zu erwerben am 12. Juni. Das Gebäude wird abgerissen und an seiner Stelle 2027 eine öffentliche Grünfläche samt Gemeinschaftgärten angelegt. Vom Kultur-Treff zum Natur-Treff.
Angela Stuhrberg
Stadtteilhaus Johannstadt, Pfeifferhannsstraße 11, Montag bis Freitag 9 bis 21 Uhr (nutzbar, Büro bis 18 Uhr)
www.johannstaedterkulturtreff.de
