Praktizierter Gemeinschaftssinn

Rückschau: Bonnie Prince Billy im Parkhotel Dresden

Fotos: Bernd Gürtler

Bestimmte Konzerte lassen von der ersten Minute erahnen, dass das verfügbare Repertoire an Superlativen zur Beschreibung des Erlebten kaum ausreichen wird. Bonnie Prince Billys Dresdner Auftritt im Ballsaal des Parkhotels oben am Weißen Hirsch war so ein Fall. Genialdilettantische Schrägheiten trafen auf ein virtuoses Akustikgitarrenspiel, das manchmal folkhaft anmutete, dann wieder lateinamerikanisch gewirkt hat und die gesamte Bandformation in die Nähe eines Mariachiorchesters rücken ließ. Punktuelle Satzgesänge im Stil von Crosby Stills Nash & Young gingen Hand in Hand mit grummelnden Elektrogitarrenbässen, erstaunlichen Klarinettensoli oder freieren Passagen, kompetent geführt und mitgestaltet vom bemerkenswert einfallsreichen Schlagzeug. Ständig präsent eine lyrische Note, beigesteuert durch Saxofon und Querflöte.

Mitunter entstand der Eindruck, es kommt zusammen, was gar nicht zusammenkommen dürfte. Aber das ist das Konzept hinter der jüngsten Albumveröffentlichung "We Are Together Again" und fand sich lediglich in den Konzertrahmen übertragen. Wer wie Bonnie Prince Billy überzeugt ist, praktizierter Gemeinschaftssinn biete den geeignetsten Gegenentwurf zu den Verwerfungen unserer verrückt gewordenen, unsteten Gegenwartswelt, wird teils extreme Gegensätze unter ein und denselben Hut bringen müssen.

Zusammengehalten wurde das Bühnengeschehen durch Bonnie Prince Billys eindringlichen Gesang und noch mehr vom gleichmäßigen, vollkommen unaufgeregten Erzählfluss im Herzfrequenztempo. Welche Songs durften als besonders gelungen gelten? Sind es "London May", "Our Home", "Turned To Dust" und "Is My Living In Vain?" von "The Purple Bird" gewesen? Oder eher "Like It Or Not", "Strange Form Of Life" oder "In Good Faith" von "Keeping Secrets Will Destroy You", "The Letting Go" beziehungsweise "I Made A Place"? Oder die beiden Coverversionen "Strange Affair" (Richard Thompson) und "Draw Something Beautiful" (Ganavya Doraiswamy)? Oder vielleicht doch "Ohio River Boat Song" und "The Brute Choir"/"New Partner" aus Zeiten seiner Band Palace? Aber was wäre dann mit "Strange Trouble", "(Everybody's Got A) Friend Named Joe", "They Keep Trying To Find You" von "We Are Together Again"? Wirklich schwer, eine Auswahl zu treffen bei einem solch sensationellen Konzertabend!

Das Vorprogramm bestritt Dawn Landes. Mit nichts als ihrer Akustikgitarre und einem Minitamburin am rechten Fuß entfesselte die Amerikanerin ein wahres Folkfeuerwerk. Ihr flamboyantes Bühnenoutfit aus mit roten Pailletten besetzten Hosen und Goldglitzerschuhwerk ließ an die Blütezeit der Nudie Suits, einer Kleidermodenströmung der Country Music, denken. Dawn Landes, ein Name, den sich das geneigte Dresdner Konzertpublikum durchaus einprägen könnte, gleich neben Bonnie Prince Billy.
Bernd Gürtler 

Bonnie Prince Billy 9. August, Parkhotel