So ist sie halt

Nina Hagen war in Dresden

Foto: Hans-Joachim Maquet

Das Gesicht der diesjährigen Jazztage, die Ikone Nina Hagen, war bei den Jazztagen im neu erbauten Ostra-Dome. Mit einem Programm von Bertolt-Brecht-Liedern und vertonten Bertolt-Brecht-Gedichten begeisterte sie ihre Fan-Gemeinde, die für ein hoffnungslos ausverkauftes Konzert gesorgt hat. Ihre charakteristische Stimme klingt nach mindestens je fünf Zigaretten simultan kettengeraucht dazu abwechselnd Wodka, Rum und Whisky heruntergespült, aus dem fünften Stock auf die Straße gefallen und dort von einem LKW mehrfach vorwärts und rückwärts überfahren. Dagegen scheint eine Marianne Faithful ihre Stimmbänder in Palmolive eingeweicht zu haben. Zu Bertolt Brecht paßt diese Stimme natürlich wie die Faust aufs Auge. Die Interpretationen nimmt man der Dame als aus tiefster Überzeugung entsprossen ab. Vielleicht hätte eine Nina Hagen das Vorstellungsvermögen von Bertolt Brecht überfordert, aber er wäre sicher mit ihrer Interpretation einverstanden gewesen. Sie wirkt bei jedem Stück authentisch.

Dabei hatte man zwischenzeitlich Sorge, dass es überhaupt noch zu ausreichend Gesang käme, weil Nina Hagen nach dem ersten Lied erst einmal umfangreiche politische Belehrungen verkündete. Man erfuhr, daß „die“ mit Gen-Clippings künstliche Lebewesen erschaffen und in Burkina Faso aussetzen, was ganz furchtbar undemokratisch ist und die Menschen in Burkina Faso sind alle dagegen,  usw. Zustimmungsfähige Allgemeinplätze, die Beifall bekommen; Wie Kritik an Hohlköpfen; die heute noch den Namen von Adolf Hitler grölen, wechseln sich mit bizarren Behauptungen ab. Aber so ist sie halt. Und dann singt sie doch wieder.

Am Ende steht ein bunter Abend, facettenreich mit einer Künstlerin, die es so wohl kein zweites Mal gibt.

Die Jazztage Dresden, die noch bis zum 24.11. täglich zum Teil mehrere Konzerte anbieten, zeigen einmal mehr, daß sie ein große Bandbreite von Genres abdecken, die aber alle irgendwie Berührungen mit dem Jazz bieten, der eben ein weites Feld ist. Auch in der Demonstration der Vielseitigkeit des Jazz sieht Jazztage-Intendant Kilian Forster seine Aufgabe.
Ra.

Nina Hagen
25. Oktober, Ostra-Dome, Jazztage Dresden