Tacheles
JÜDISCHE STIMMEN ZUR 29. JÜDISCHEN WOCHE IN DRESDEN
Verflochten sind im Festival nicht nur jüdische Gegenwarten in Europa. Das umfangreiche Festivalprogramm ist neben dem Hauptspielort Societaetstheater auch im benachbarten Restaurant Melina, in Hellerau oder im Haus der Brücke präsent. Die Anfänge reichen zurück bis ins Jahr 1996, als die »Jiddische Musik- und Theaterwoche« im Umfeld des Rocktheaters Dresden e.V. gegründet wurde. In diesem Jahr ist sie Teil des Programms »TACHELES – Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen«.
Der Trägerverein Jüdische Musik- und Theaterwoche Dresden e.V. konzipierte dafür mehr als 20 Veranstaltungen an acht Festivaltagen. Sie lassen mit Theater, Performances, Workshops, Gesprächen und Filmen vielfältige künstlerische Sprachen, Biografien und Perspektiven aufeinandertreffen. So zeigt im Societaetstheater der palästinensisch-israelische Schauspieler Yousef Sweid unter dem Titel »Between the River and the Sea« einen Soloabend. Er war entstanden als Produktion des Maxim-Gorki-Theaters Berlin und verbindet persönliche Erzählung mit kollektiver Erinnerung. Dabei thematisiert Sweid auf Englisch mit deutschen Übertiteln die Komplexität der Gegenwart und die Notwendigkeit, Geschichten zu erzählen, die sonst ungehört bleiben.
Eine ganz andere Herangehensweise gibt es im Dokumentarfilm »Drei Versuche der Gojifizierung«, der eine in Berlin lebende Jüdin durch den öffentlichen Stadtraum begleitet. Ihr Anliegen: eine »Goj«, also eine Nichtjüdin, zu werden. Die amerikanisch-deutsch-österreichische Dokumentarfilmerin Michaela Kobsa-Mark blickt dabei mit Witz, Intimität und großer Offenheit auf diasporische Identitäten in Deutschland. Im Anschluss an die Filmaufführung im Societaetstheater steht sie für ein Gespräch zur Verfügung.
Direkten Kontakt zum Publikum suchen auch andere Formate. So gibt es mit der mehrstündigen Veranstaltung »Der besondere Schabbat« einen Abend der Kulinarik und Vielfalt. Er trägt in diesem Jahr die Handschrift der Köchin und Autorin Sibel Cuniman Pinto, die zwischen Istanbul und Paris arbeitet und wie kaum eine andere für die sephardische Küche steht. Gastgeber Gefilte Fest Dresden präsentiert neben dem Menü mit sephardischen Traditionen klassische Schabbat-Elemente und persönliche Anekdoten.
Am 3. November gastiert das Duo Alexander Estis und Tatjana Davis auf der Bühne an der Dreikönigskirche. Mit ihrem Programm »Schlamassel Tov!« zum jüdischen Leben und dem Leben im Allgemeinen zwischen Masel und Schlamassel werden in diesem Programm Töne angestimmt, die nicht zu wahr sind, um schön zu sein.
Ein musikalisches Highlight sind ohne Frage The Klezmatics, die im Societaetstheater das Abschlusskonzert bestreiten. Mit ihrem Jubiläumsalbum legen die Grammy-prämierten New Yorker einen musikalischen Aufruf zu Solidarität, Hoffnung und Widerstandskraft in einer zerrissenen Welt vor. Das Album antwortet auf die aktuellen Verwerfungen unserer Zeit mit Liedern zwischen Protest, Glauben und radikaler Lebensfreude.
Es lohnt sich, im Programm des Festivals zu stöbern, es gbt vieles zu entdecken über das hier bereits Genannte hinaus. Etwa das Schreinprojekt »Die ewige Schrift – Eine Tora für Dresden« am 1. November, das DJ-Set mit den Balagan Sisters am 31. Oktober, der Hannah-Arendt-Nachmittag »Poetic Language« am 1. November mit dem Musiker Ben Osborn und der Lyrikerin und Performerin Giuliana Kiers, das gemeinsame Storytelling »In the shade of the mulberry tree« am 31. Oktober mit Raphael Rodan und Sahand Sahebdivani oder das Wohnzimmerballett »Das Wetter zu Hause« am 31. Oktober. Die Eröffnung des Festivals bestreitet am 29. Oktober das Duo Andalus, das andalusische, sephardische und nahöstliche Musiktraditionen zusammenbringt.
ISMA
Jüdische Woche Dresden Festival im Societaetstheater, Festspielhaus Hellerau und anderswo. 29. Oktober bis 5. November
www.juedische-woche-dresden.de
