Voll auf die Zwölf

Das Festival HumorZone geht vom 11. bis 15. März in die nächste Runde

Foto: Amac Garbe

Wenn Berlin seinen Goldenen Bären hat und Canne seine Goldene Palme, dann hat Dresden im März jedes Jahres den Goldenen Olaf. So darf man das güldene Logo-Reiterchen durchaus interpretieren, denn schließlich ist der Schirmherr des Comedyfestivals HumorZone niemand Geringeres als Olaf Schubert. Und auch wenn er – mit Ausnahme der Abschluss-Gala-Moderation und der TV-Aufzeichnung von »Olafs Klub« – nicht selbst mit seiner Show am Start ist, so schwebt er doch als gute Seele über dem Geschehen und pullundert kognitiv die Dresdner Lach-Festspiele, die vom 11. bis 15. März in ihren zwölften Jahrgang gehen.

Dass die HumorZone längst ein Flaggschiff des Genres geworden ist, sollte kein Geheimnis sein, ebenso nicht, dass viele Comedians besonders gern hierherkommen. Denn die Crew um Katina Haubolds Agentour, Ausrichter des Ganzen, macht hier nicht einfach business as usual, sondern legt ein Ausmaß an Betreuung und Umhegung an den Tag, das seinesgleichen sucht. Kein Wunder, dass sich die Künstlerinnen und Künstler gern nach der Show noch zum allabendlichen fröhlichen Miteinander shutteln lassen. Und es ist gerade diese aufwendig erarbeitete Wohlfühlatmosphäre, die die HumorZonenden wiederum zu besten Performances trägt. Über allem steht natürlich der Slogan des Schirmherren Olaf Schubert: »Man darf auch mal lachen müssen.«

Und so gibt es sage und schreibe rekordverdächtige 76 Shows an nur fünf Tagen, von denen Mitte Februar schon 20 ausverkauft waren und viele im Status »Restkarten« standen. Anna Mateur, Florian Wagner, Sven Bensmann, Lisa Eckhart, Dr. Pop, Ausbilder Schmidt, Jan Philipp Zymny, Lennart Schilgen, Nightwash, Carsten Linke und Dirk Neumann, Johann König, Jakob Heymann, Der Physiopath, Günther & Hindrich, Tutty Tran oder die Gala sind komplett sold out.

Wichtig für ein Festival ist immer: gut reinkommen. Dafür gibt es wie gewohnt das »Warum up« am 11. März in der Schauburg. Moderiert von Emmi & Willnowsky geben sich hier Der Tod, Nils Heinrich, Seraphina Kalze und Samuel Sibilski die Bühnenklinke in die Hand. Und schon währenddessen kommen Thomas Schmidt in den Bärenzwinger, Mirja Regensburg ins Stromwerk, Alice Köfer wie auch Matthias Ludwig in die Schauburg, Anna Mateur ins Parkhotel, Sven Bensmann ins Boulevardtheater und Olafs Klub ins Kleinvieh. Und das ist nur der an Veranstaltungen zahlenmäßig »gering« besetzte Mittwoch.

Ab Donnerstag wird dann lachtechnisch durchgezogen – das kann man hier nur auszugsweise wiedergeben. Da wäre die beliebte Zotenzone in der Schauburg, in der Christoph Walther von Zärtlichkeiten mit Freunden als Host ein sehr unterschiedliches Quartett präsentiert: Michael Krebs, Thomas Kaufmann, Yorick Thiede und Andreas Gundlach – zwei (!) Männer am Piano, einer auf Olaf-Böhme-Mission und einer mit »Tannenecker Ouvertüre«. In der GrooveStation walzen derweil Gankino Circus durch ihren wilden Genremix und lassen das Publikum ein weiteres Mal ausrasten. Ebenfalls ein Humorzone-Klassiker: Die Vorleser im Schauspielhaus. Horst Evers hat wieder ein literarisches Quartett eingeladen: Max Rademann, Martin Sonneborn, Martin Bambach (Tatort!) sowie Stefan Schwarz (dessen neue Lesung komplett am 25. September in der Schauburg zu erleben ist). Ein Vierteljahrhundert feiert derweil das Duo Eure Mütter im Alten Schlachthof und bietet dafür ein »Best of« an unter dem Motto: »Perlen vor die Säue«. »Mein Dschungel« wiederum bringt »Deutschlands lustigsten Erzieher« auf die Bühne im Stromwerk: Serdar Karibik. Zwar arbeitet er nicht mehr in der Kita, berichtet aber nun über seine Welt zwischen Vater- und Comedian-Sein.

Auch der Freitag hat seine Mixed-Shows. Die Notenzone etwa in der GrooveStation. Gehostet von Julius Fischer sind Luksan Wunder, Dota Kehr, Melvin Hack und David Weber dabei. Hatte jemand Dota bei einem Comdedyfestival vermutet? Wir sind gespannt. Auch ein Must: Jindrich Staidels Migrantenscheune – noch immer im Exil des Kleinen Hauses. Das Jazzpolka-Trio empfängt diesmal Berhane Berhane, Amjad und David Stockenreitner. Im Projekttheater zeigt sich Lara Ermer »Leicht entflammbar«, David Kebekus bringt »Sensible Inhalte« ins H42, Coremy wird im Bärenzwinger »Rasiert« und für Alain Frei ist in der BallsportArena »Alles neu«. Und weil der Abriss mit Reis Against The Spülmaschine in der GrooveStation so großartig wie ausverkauft war, kommt das Duo diesmal ins Parkhotel. Musikalische wird es auch in der Herkuleskeule, wenn Andreas Pietsch und Marco Pfennig über Schlagertexte sinnieren, zudem loopt Konrad Kuechenmeister im Ostpol in die Nacht.

Schon kommt der Sonnabend. Der beginnt bereits um 15 Uhr mit dem Mimentheater Schreiber & Post, das in der Schauburg Märchen und Comedy zu »Der goldene Schlüssel« verknüpft. Matthias Egersdörfer bittet später am selben Ort zu »Eine ganz normale Freakshow«. Erwarten darf man hier Kai Bosch, Ulan & Bator, Christoph Reuter, Archie Clapp und Sparlight Express. Immer noch in der Schauburg hat Matilde Keizer bei ihrem ersten Solo »Lasagne im Bett«. Mit Fil kommt ein Stammgast ins H42, wobei er der Meinung ist »Endlich wieder jung« zu sein. Immer auch wichtig, vor allem wegen des Wettebwerbs um den Goldenen August: der Newcomer-Wettbewerb im Kleinvieh, moderiert vom Duo Suchtpotenzial (das am Sonntag an selber Stelle auch eine eigene Show spielt). Die beiden begrüßen auf der Bühne Anna Bartling, Josepha Walter, Tobias Born und Leinard Rosar. »Wir kommen« rufen wiederum Mundstuhl und bitten ins Boulevardtheater. Nach dem Voll-Programm von Berhane Berhane beginnt die Ostpol-Nacht dann 30 Minuten vor der Geisterstunde mit der FlachewitzZone. Hier steht wiederum das Publikum im Fokus, denn unter Anleitung von Showmaster Doran Toudescu darf hier jeder Witzer erzählen, am Ende gibt es für die beste Performance die »Goldene Flachzange«. Anschließende: TrashDisco mit DJ Flips Assmussen.

Das Sonntagsprogramm »Ausklang« zu nennen, wäre eine starke Untertreibung. Allein schon wegen Josef Hader ein weiteres Mal im Schauspielhaus spielt – natürlich mit seinem sich stetig veränderten Programm »Hader on Ice«. Aber es klingt trotzdem viel Musik am Abschlusstag: Suchtpotenzial im Kleinvieh mit »(S)Hitstorm«, Dr. Pop mit »Hitverdächtig« in der Schauburg, Pawel Popolski mit »Polkamania« im Boulevardtheater oder Michael Krebs mir »Optimismus – Jetzt stark reduziert« im Projekttheater. Gespannt sein darf man zu dem auf »Carmen oder Worte, die das Herz berühren« mit Egersdörfer, Schulz und Müller im Bärenzwinger. Mit seinem dritten Programm »Wahlweise« kommt – natürlich – William Wahl ins Stromwerk, Tan Caglar mit »Der Teufel im Rollstuhl« ins Theater am Wettiner Platz und Aurel Mertz in die Herkuleskeule: »Nobody Alpha Drift«.

Wie gesagt: Das alles ist nur ein Ausschnitt, zu entdecken gibt’s viel mehr. So zeigt sich die Humorzone auch in diesem Jahrgang als vielseitig, genreübergreifend und mit Blick über den Tellerrand. Zudem zeigt das Programm deutlich wie nie zuvor, dass Comedy kein Männergame mehr ist. Frau holt auf. Mächtig gewaltig!
JH

12. HumorZone 11. bis 15. März, www.humorzone.de