Würzfleisch to go

Die Dresdner Firma »Füllett« als Trendsetter mit essbaren veganen Schalen

Marion Thiele und Wolfgang Linke

Was tun? Ja, was tun, wenn man Catering-Zubehör herstellt und eine Pandemie allen Partybuffets den Garaus macht? Diese Frage stellen sich derzeit zahllose Unternehmen. Der Firma »Füllett« aus Dresden-Seidnitz geht es da nicht anders. Ihre essbaren Schalen und Schälchen bevölkern normalerweise Hochzeiten, Geburtstage, Schulanfänge und Firmen-Events aller Art. Gefüllt mit Suppen, Aufläufen, Nudelgerichten, Salaten und Tiramisu werden die knusprigen Rundlinge (welche ein wenig wie Knäckebrot schmecken) schnell zum Genussträger. Federleicht und stapelbar sind sie optimal, was die Anlieferung und das Befüllen betrifft. Das Gratin vor dem Servieren noch mal auf- oder überbacken? Kein Problem: Ab mit der Schale in den Grill. Und nach Gebrauch lassen sich die »Fülletts« leicht zerbrechen und damit platzsparend abtransportieren. Besser noch: aufessen.

Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Gibt es organisches Essgeschirr nicht schon bis zum Abwinken? Aus Palmblättern, Zuckerrohr oder Bambus? Aus Mürbeteig, Weizenkleie, Waffeln? Mit Sicherheit. Aber bekanntermaßen steckt der Teufel im Detail. Und genau besehen, haben all diese Produkte – im Gegensatz zu »Füllett« – so ihre Tücken. Schalen aus Waffeln beispielsweise weichen schnell durch und sind leicht zerbrechlich, was ihre Praktikabilität enorm einschränkt. Schalen aus Bambus hingegen sind so kompliziert verarbeitet, dass man sie nicht kompostieren kann. Letzten Endes landen sie, wie ihre Vertreter aus Plaste, im Restmüll und werden verbrannt. Nicht bei so »Füllett«. Denn dieses Essgeschirr mit Biss besteht lediglich aus Wasser, Rapsöl, Salz und Weizen-/Roggenmehl. Leer gefutterte Snackschalen können demnach in jeder BioMülltonne, auf jedem Komposthaufen entsorgt werden.

Die Frage ist nur: Wieso sind »Füllett«-Schalen haltbarer und strapazierfähiger als ihre Vertreter von der Waffelbude? Die Antwort liegt in einer speziellen Art der Fertigung, welche die Oberfläche der Schalen so raffiniert verdichtet, dass es der Feuchtigkeit für lange Zeit nicht möglich ist, sie zu durchdringen. Das spezielle technologische Verfahren dafür entwickelte »Füllett«-Gründer Wolfgang Linke. Der studierte Verfahrenstechnologe und Gastronom betrieb in den Neunzigerjahren mit seiner Frau Marion Thiele einen Cateringservice. Dabei stießen die beiden immer wieder auf Probleme seitens der Geschirrfrage.

Beispielsweise dann, wenn es bei einem Richtfest galt, für dreihundert Bauarbeiter Steingut-Schüsseln in den Dachstuhl zu schleppen. Man müsste, dachte sich Wolfgang Linke, ein Geschirr erfinden, welches leicht und praktisch ist. Nach jahrelangen Versuchsreihen, nach intensivem Tüfteln und Probieren bekam es das »Füllett«-Pärchen gebacken. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Denn bei den Produkten der Firma handelt es sich offiziell um – Achtung: Beamtendeutsch – Formbackwaren. Biozertifiziert, wohlgemerkt. Und damit ein zukunftsweisendes Produkt, welches in Zeiten von Müllvermeidung, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit die Nase ganz vorn hat.

Was aber, wenn man mit seiner Erfindung der Zeit weit voraus ist? Nach dem Motto: zur falschen Zeit am falschen Ort? Diese Frage stellen sich Marion Thiele und Wolfgang Linke seit einer gefühlten Ewigkeit. Als die zwei Dresdner vor zwanzig Jahren befreundete Gastronomen mit ihrer Erfindung konfrontierten, ernteten sie viel Bewunderung und Lob, aber auch Skepsis. »Das wird noch mindestens zehn Jahre dauern, bis sich das durchsetzt«, unkten die Kollegen damals.

Und in der Tat ist es kaum zu glauben, dass bei dem Bio-Boom der letzten Jahre die Marke »Füllett« weder in sächsischen Bio-Supermärkten noch in anderen Großmärkten mit regionalem Fokus zu finden ist. Selbst die Verbrauchergemeinschaften der Stadt Dresden sind diesbezüglich außen vor. Und das, obwohl es seit zwanzig Jahren kein vergleichbares Produkt am Markt gibt. Glücklicherweise ist, dem Buschfunk sei Dank, die Kunde vom schnabulierbaren Essgeschirr zu den Einzelabnehmern durchgedrungen. Diese können sich für private Feiern nach telefonischer Absprache direkt vor Ort (Mindestabnahme 30 Stück) mit »Füllett« eindecken. Im Webshop wird das breite Repertoire ersichtlich, je nachdem, ob das Essgeschirr für einen Dip, ein Würzfleisch oder einen Smoothie herhalten soll. Zugegeben: Kleine und große Events sind derzeit noch Zukunftsmusik, aber immerhin kann die Firma »Füllett« über einen festen Kundenstamm verfügen. Dazu zählen kirchliche Einrichtungen, Vereine, Firmen und Event-Gastronomen in ganz Deutschland und der Schweiz. Als krisensichere Abnehmer erweisen sich momentan auch Gefängnisse und spezielle Krankenhäuser, deren Insassen ausschließlich Geschirr serviert bekommen, mit welchem sie weder sich selbst noch andere verletzen können.

Produziert wird von Marion Thiele und Wolfgang Linke, welche beide kurz vor der Rente stehen, bis heute in der Pilot-Anlage der Firma. Der Traum der beiden ist es, die Rechte an ihrem Produkt und der damit verbundenen Technologie an ein großes Unternehmen zu verkaufen, welches dann die Schalen im großen Maßstab herstellt und vermarktet. Bisherige Anläufe diesbezüglich waren noch nicht zielführend.

Und so bleibt im Hinblick auf stürmische Cateringzubehör-Käufe und seriöse Investoren die Hoffnung, dass sich mit dem Sommer das Leben wieder aufschwingt in gewohnte Feiermentalitäten – und die nahe Zukunft viel Neues und Gutes bringt.
Mutti


Füllett Bärensteiner Straße 16, Telefon 0351-31905605

www.fuellett.de