Zum 70. der Abriss

Die Scheune feiert noch mal extrem und macht dann dicht

Die Scheune 1977

Seit 1951 ist das Haus auf der Alaunstraße ein Ort für Veranstaltungen und Vergnügen. Dem Niedergang Ende der 1970er-Jahre folgte unter dem neuen Chef Gunther Neustadt Angang der Achtziger der Aufschwung zu einem Kulturzentrum, das DDR-weit (und auch darüber hinaus) für sein Programm bekannt und beliebt war. Folk, Punk, HipHop, Jazz, Film, Literatur, Kunst oder schwul-lesbische Kultur (wie es damals genannt wurde) fanden hier in neuen Formaten abseits der vorgegebenen Normen statt. Vieles, was heute als normal oder Mainstream gilt, nahm dort als fast revolutionäre Aktion seinen Anfang.

Als Gebäude ist die Scheune nun an die Grenzen des Zumutbaren gekommen, ganz davon abgesehen, dass es keine Barrierefreiheit gibt. Deshalb folgt nun der große Cut, der komplette Umbau. Zwar beginnen die eigentlichen Arbeiten erst in einem Jahr, ausgeräumt wird aber jetzt schon (was man nicht unbedingt verstehen muss). Da nun der 70. Haus-Geburtstag mit der etwa zweijährigen Schließung zusammenfällt, entschied man sich, vom 15. bis 19. September einen mehrtägigen »Scheune Abriss« zu zelebrieren.

An diesen fünf Tagen wird alles, also wirklich alles bespielt, was die Scheune zu bieten hat – vom Saal über den Backstage bis zu kleinen Lagerkemenaten. Denn Platz für Aktion und Kultur ist in der kleinsten Hütte. Angelegt als Festival, geht es am 15. September los mit der letzten Lesebühne Sax Royal am gewohnten Ort (ab Oktober zieht man in die GrooveStation). Die nächsten zwei Tage bringen Festivals im Festival. Erst zieht die Crew von Reverberation ihre Soundspuren durch den Saal, dann folgt am 17. September das Leseclubfestial, am 18. ist Literatur Jetzt! zu Gast. Das Finale am Sonntag wird schließlich unter anderem vom Asthma Choir bestritten. Und immer parallel zu all dem Konzerte, Aktionen, Diskussionen, DJ-Sets in allen möglichen und unmöglichen Ecken; Flure und Treppenhaus werden zu Street-Art-Flächen. Selbst der Technikraum wird zum Erlebnis, während am Sonnabend Dresdens HipHop-Community übernimmt. Ab dem 20. September dann: Ruhe, bis irgendwann 2022 der Baulärm einsetzt, der – hoffentlich – im Jahre 2024 wieder dem Klang der Kultur weicht. Dann in einer ganz anderen Scheune.
JH

Scheune Abriss 15. bis 19. September, Scheune, Tagesticket 10 Euro, Festivalticket 30 Euro
Tickets bei www.saxticket.de und SaxTicket in der Schauburg
www.scheune.org