Verabschiedet von den Geschichten aus'm Beisl

Voodoo Jürgens am 12. Mai im Beatpol

Das Beisl, von neuerer Reiseliteratur als uriges, typisch Wienerisches Speiselokal beschrieben und gern illustriert mit Bildern junger Leute in Feierlaune. Ein cooler Szenetreff also, nach wie vor aber auch die Eckkneipe der Arbeiterviertel, wo sich von Chancenarmut gekennzeichnete Bevölkerungsschichten auf ein Feierabendbier treffen. Ihre Geschichten erzählte Voodoo Jürgens im feinsten Wiener Straßenslang und nicht als Voyeur, sondern als einer aus ihrer Mitte.

Die Trauergesellschaft aus "Heite Grob Ma Tote Aus", den treulosen Kindsvater aus "Alimente", den Faustkämpfer "Hansi Da Boxer", den wiederholt gescheiterten Systemspieler aus "'S Klane Glücksspiel", die von Furcht getriebene und zu jeder Gewalttat bereite Hausgemeinschaft aus "Angst Haums", der Konditorlehrling aus "Zuckerbäcker", Voodoo Jürgens kannte sie aus eigenem Erleben oder schreibt sowieso über sich selbst. Begonnen hatte er nach abgebrochener Lehre und abgebrochenem Studium unter seinem bürgerlichen Namen David Öllerer mit der Garagenrockformation Die Eternias.

Um sich den Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er zeitweise als Friedhofsgärtner. Erfolg stellt sich erst ein, als er solo unter seinem Künstlernamen Voodoo Jürgens in den Wiener Dialekt wechselt. Kürzlich, im Kinokassenschlager "Rickerl – Musik is höchstens a Hobby", seiner ersten Filmrolle überhaupt, spielt Voodoo Jürgens sich mehr oder weniger selbst als verkrachter Sängerbarde, der schlussendlich doch noch durchstartet. Seine schauspielerische Darbietung bringt ihm sogleich einen österreichischen Filmpreis ein und wohl auch den Vertrag mit einem Marktführerlabel, wo im Frühjahr 2026 mit "Gschnas" sein viertes Vollelängealbum erscheint.

Die Veröffentlichung markiert zugleich seinen Abschied vom Biotop namens Beisl, um sich der Welt jenseits des urwienerischen Kneipenmilieus zuzuwenden. Was nichts am Dialekt ändert, die Gesamterscheinung aber um einiges unorigineller macht. Ein bisschen so, als hätten BAP aufgehört, Kölsch zu singen.
Bernd Gürtler

Voodoo Jürgens 12. Mai 2026, 20 Uhr, Beatpol
Tickets bei SaxTicket
www.voodoojuergens.com