Bücher beim Kater

Buchhandlungen in Dresden: Büchers Best

Jörg Stübing und Musashi. Foto: Angela Stuhrberg

Es gibt sie noch, echte Geschäfte mit echten Büchern an den Wänden. Echte Buchhandlungen also? In einer kleinen Serie wollen wir klären, wie es derzeit um den Buchhandel in Dresden bestellt ist. Teil 1: Büchers Best. Schließlich muss man nicht bis zum Amazonas »gehen«, um an gute Bücher zu gelangen. Diese unmissverständliche Anspielung zaubert vielen Gästen beim Betreten von Büchers Best ein Schmunzeln ins Gesicht. Es ist weniger die Abgrenzung vom Online-Handel, der weltweit für Verpackungsmüll ohne Ende und landauf, landab für wild parkende Lieferfahrzeuge, wachsende Staus und sinnlose Abgase sorgt, vielmehr ist es die Betonung auf gute Bücher.

Das Sortiment im kleinen Ladengeschäft auf der Louisenstraße ist erstaunlich umfangreich. Und es ist tatsächlich gut. Irgendwelche Top-Ten-Regale muss man gar nicht erst suchen, hier geht es um wirkliche, um erlesene Qualität im wahrsten Sinne des Wortes. Denn hier liest der Inhaber selbst. Was zur Folge hat, dass er sachkundig beraten kann und im Notfall auch mal ganz ehrlich abrät. Nicht jede Lektüre ist schließlich für jeden Geschmacksnerv geeignet.

Der gebürtige Magdeburger Jörg Stübing landete nach seinem Leipziger Philosophie-Studium in Dresden, gründete hier 1998 die rasch legendär gewordene Galerie Treibhaus und eröffnete 2002 seine Buchhandlung Büchers Best – eine Erfolgsgeschichte, die von Anfang an mit Fragezeichen und Risiken versehen war. Denn es schien ja keineswegs sicher, wie sich der Buchhandel entwickeln würde; von der unseligen Diskussion um die Buchpreisbindung einmal ganz abgesehen. Die gab es unter literaturfernen Politikern bekanntlich schon vor TTIP & Co.

Aber in Dresdens Neustadt ticken die Uhren sowieso etwas anders. Hier leben noch Buchmenschen, die Leseratten pilgern zu »Stü«, wie der auch als Veranstalter tätige Buchhändler  bei Stammkunden und Freunden genannt wird, sie blättern und schauen, kommen zielgerichtet oder einfach mal nur, um sich überraschen zu lassen. Bei einem Espresso fällt die Auswahl in der Regel nicht schwer, kaum jemand verlässt das Geschäft mit leeren Händen.

Aller räumlichen Enge zum Trotz ist Büchers Best bestens sortiert. Von der anfänglichen Idee des Modernen Antiquariats hat sich »Stü« wieder getrennt, aber seiner ursprünglichen Profession ist er treu geblieben: Es gibt sogar eine Abteilung für ausgewählte Werke der Philosophie. Erstaunlich viel Lyrik, Essayistik, ein paar feine Bildbände, ansonsten natürlich all das an Belletristik, was gerade am Markt ist. Wobei letzteres nicht heißt, hier würden nur kurzlebige Trends gehandelt. Nein, ein weiterer Vorzug dieses Unikats liegt genau darin, dass man auch bei Raritäten der vergangenen Saison fündig werden kann.

Nicht zu übersehen ist, dass sich eine ästhetische Seele um die Innenwelt dieses Geschäfts sorgt und die Buchschätze gekonnt präsentiert. Wechselnde Ausstellungen ergänzen die regelmäßigen Veranstaltungen, die gerne Genres von Literatur und Musik miteinander verbinden. Die gute Seele des Ladens aber ist ein Vierbeiner von Adel: Burmakater Musashi, mit vollem Namen als His Royal Highness Myamoto Musashi Shin-Men No-Genshin bekannt, ist der Hüter der Bücher.
Michael Ernst

Büchers Best Louisenstraße 37, Telefon 8015087
Montag 12 bis 20 Uhr, Dienstag bis Freitag 11 bis 20 Uhr, Sonnabend 10 bis 16 Uhr
www.buechersbest.de