Feurige Damen in kalter Nacht

Die Puppini Sisters swingten im Erlwein Capitol

Foto: Norbert Scholz

Den Sonntagabend kann man vorm Fernsehgerät verbringen, um sich absurde Todesfälle und gelegentliche Kreisfahrten durch die hiesige Neustadt anzusehen, oder man gönnt sich ein paar Stunden wunderbare Liveunterhaltung. Nach sechs Jahren konnten es die drei Damen der Puppini Sisters wieder einrichten, die Jazztage zu bereichern. Ihr Stil, sowohl optisch als auch musikalisch, ist der swingende Harmoniegesang der 30er und 40er Jahre in Amerika, ihr Programm allerdings reicht über alle Dekaden hinweg bis in die heutige Zeit.

So präsentieren sie am Abend im Ostragehege nicht nur Klassiker wie "Bei mir bist du schön", sondern auch Chartshits wie „Chandelier“ von Sia oder eine Eigeninterprätation von  „Rappers Delight“, die sich auch auf ihrem neuen Album „The Highlife“ wiederfinden. Gut besucht war es und es wurde im Publikum fleißig mitgewippt und mitgeschnippt und obendrein am Rand der Bühne auch getanzt. Die äußerst charmanten Sängerinnen präsentierten sich anfangs im Petticoat, nach der Puller- und Nachfüllpause dann im engen Leopardenkleid. Optisch dezenter, dafür aber musikalisch virtuos, werden die Puppinis von ihrer kleinen Kapelle begleitet. Martin Kolarides spielt und zelebriert die Gitarre, Henrik Jensen zupft den Bass und für die Trommelgruppe ist Will Glaser eingesprungen.

Obwohl die Schwestern, die ja gar keine sind, sondern ihren Gruppennamen von Gründerin Marcella Puppini bekommen haben, schon seit 2006 dick im Geschäft sind, sieht man ihnen nach wie vor die Sanges- und Spielfreude an. Und natürlich bekommt jede von ihnen auch ihr musikalisches Solostück. Die zarte Chefin selbst mit Akkordeon, Kate Mullins, die stimmgewaltige Blondine mit dem geblasenen Harmonium, und Emma Smith, ohne Instrument, aber dafür mit dem feurigsten Haar.

Übrigens: Das Erlwein Capitol erweist sich als angenehme Eventlokalität, sowohl in der Ausstattung als auch im Klang. Das Nachzuhören könnte man sich ab Dezember einrichten, wenn die Firebirds mit den heimischen Pearletts zur Dinnershow „Mafia Mia“ gastieren. Wem die Puppini Sisters gefallen, sollte auch mit „unseren“ drei Damen auf seine Kosten kommen.

Nach der Pause geht es mit frischem Schwung und neuen Dresses in die zweite Hälfte des Abends. "Girls just wanna have Fun" ist das Motto und kommt gesungen beim Publikum auch so an. Dazu passt dann auch der Hinweis, dass die Jazztage ihrem finalen Wochenende am 25. und 26. November entgegensteuern – mit dem großen Swingball im Parkhotel am Sonnabend. Und der dauert mit seinen vielen Künstlern auch länger als die reichlichen 90 Minuten im Erlwein Capitol. Zudem darf und soll dabei das Tanzbein intensiver geschwungen werden. Mit "Americano" und "Tennessee Rose" als Zugabe verabschieden sich die drei Damen vom zufriedenen Dresdner Publikum und bereisen nun ersteinmal  das südliche Europa, um zum Jahreswechsel wieder ins heimatliche England zurückzukehren.
Norbert Scholz

The Puppini Sisters
19. November 2017, Erlwein Capitol