Tea with the Dames

Ein unvergesslicher Nachmittag

Wenn sich britische Schauspiel-Legenden in einem Cottage zum Tee treffen und Eileen Atkins, Judi Dench, Joan Plowright und Maggie Smith heißen, dann möchte man ihnen Gesellschaft leisten. Alle wurden von der Queen zu »Dames« geadelt. Außergewöhnliche Frauen, die ihr Leben augenzwinkernd Revue passieren lassen, von ihren Erfahrungen berichten, aber auch von ihren Enttäuschungen. Alles mit viel Selbstironie und Heiterkeit. Bei den vier Freundinnen kommt vieles zur Sprache von ihren schüchternen Anfängen bis hin zum Schaffensolymp, es geht um Lampenfieber, Ex-Ehemänner und ihre Macken, Kollegen, mit denen es manchmal schwierig war. So mit Lawrence Olivier, Plowrights 1989 verstorbener Ehemann, über den sie sagt: »Er war wie eine Naturgewalt und manchmal auch ein Alptraum«. Alle waren jedenfalls nervös, wenn sie mit ihm arbeiten mussten. Sie sprechen auch über eigene Schwächen und ihre Träume, den neuesten Klatsch und von ihrer Zeit auf der Bühne, auf der Leinwand oder im Fernsehen. Aber auch von den politisch aufregenden 1960er Jahren mit gewaltvollen Protesten gegen den Vietnamkrieg.

Der Blick zurück ist witzig und respektlos, geistreich und unsentimental. Die Damen sind »forever young«, auch wenn sie beim Dreh zusammen 342 Jahre zählten, was Judi Dench zur bissigen Frage veranlasst: »Haben wir zusammengerechnet überhaupt noch frei funktionierende Augen?« Die Kamera nehmen sie ganz selbstverständlich, plaudern locker aus dem Nähkästchen. Vor allem wenn nach Wasser und Tee Champagner gesüffelt wird. Man könnte diesen Ladys, ihren Anekdoten und Geschichten aus der Film- und Theaterwelt endlos zuhören und hofft, sie noch oft zu sehen. Das könnte klappen, verspricht Judi Dench doch lächelnd: »Wir arbeiten alle bis zum Ende«.
Margret Köhler

Tea with the Dames Großbritannien 2018, Regie: Roger Michell
ab 25. April in der Schauburg
www.ifcfilms.com